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Krebs 2.0 Diabetes

Viele Härtefälle benötigen konkrete humanitäre Hilfe.
Werner Gschwandtner
Distrikt-Governor
An Diabetes mellitus Erkrankte haben ein dramatisch hohes Herzinfarktrisiko.
Dr. Michael Resl,
Mitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft

Distrikt Governor Werner Gschwandtner:

Lions International hat das Thema Diabetes als neues Wirkungsfeld in den Hilfsaufgabenrahmen aufgenommen. Die alarmierenden Zahlen zeigen, dass Diabetes mittlerweile zur weltweit meist verbreiteten Krankheit gewachsen ist. LCIF hat für Lions Aktivitäten großzügige Förderungsmöglichkeiten eingerichtet.

Bei der Frage, wie weit die Zuckerkrankheit auch in Österreich die Hilfe von Lions Clubs erfordert, bin ich auf überraschend viele Initiativen von Wissenschaft, Medizin und Sozialversicherungsträgern gestoßen.

Aber auch die österreichischen Lions haben schon seit einigen Jahren konkrete Aktivitäten im Kampf gegen die Auswirkungen von Diabetes gesetzt. Bekannt geworden sind ein Lions Diabeteslager und die Finanzierung von speziell abgerichteten Hunden zur Früherkennung von Zuckerentgleisungen.

Obwohl das soziale Gesundheitsnetz in unserem Land eine sehr gute Betreuung sicherstellt, gibt es viele Härtefälle, die konkrete humanitäre Hilfe benötigen.

Ich habe den wissenschaftlichen Betreuer einer solchen Initiative, OA Dr. Michael Resl vom Konventhospital Barmherzige Brüder Linz und auch Mitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ersucht, für die Lions eine Grundinformation zu geben. Internist Resl ist Experte für Stoffwechselerkrankungen und beschäftigt sich schon viele Jahre mit Erkrankungsformen von Diabetes. Gemeinsam mit dem ärztlichen Leiter des Konventspitals der Barmherzigen Brüder in Linz, LF Thomas Müller, hat er sich bereit erklärt, Aktivitäten der Lions im Kampf gegen Diabetes aus medizinischer Sicht zu unterstützen. Dafür ein herzliches Dankeschön. Als Governor des Distrikt Mitte habe ich eine Projektgruppe unter der Leitung un-seres Distriktkoordinators für GST, Thomas Märzinger, mit dem Ziel installiert, konkrete Hilfsangebote für Lions Clubs zu realisieren.

Diabetes zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen.

Diabetes mellitus und die daraus resultierenden Spätkomplikationen zählen zu den häufigsten Todesursachen. Korrespondierend zur Normalbevölkerung, überwiegen Gefäßkrankheiten als Haupttodesursache bei an Diabetes mellitus erkrankten Patienten. Je nach Studie sind etwa 40 bis 50 Prozent aller Todesfälle auf kardiovaskuläre Spätkomplikationen zurückzuführen. Der Zusammenhang zwischen hohem Blutzucker und steigendem Risiko für Gefäßkrankheiten ist heute klar belegt. Steigt der Langzeitzuckerwert (HbA1c) um 1 Prozent, erhöht dies das Risiko an koronarer Herzkrankheit oder an einem Schlaganfall zu erkranken um 18 Prozent. Diabetes mellitus führt zu einer verfrühten und rascher progredienten Gefäßalterung. Generell sind die Gefäße, der an Diabetes erkrankten Patienten dem realen Alter des Patienten um 15 Jahre voraus. Ein Diabetes Patient ist einem kardiovaskulären Hochrisikokollektiv zuzuordnen, dementsprechend erhöht sich das Risiko ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden um das 2- bis 4-Fache. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Rate an koronarer Herzkrankheit beträgt die jährliche Sterblichkeitsrate 5,4 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie bei altersgleichen Nichtdiabetikern. Somit ha-ben an Diabetes mellitus erkrankte Patienten ein dramatisch hohes Risiko für Herzinfarkte, welches gleich hoch ist, wie bei Patienten die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, allerdings nicht an Diabetes mellitus erkrankt sind.

Neben den eben erwähnten Krankheiten der großen Gefäße wie Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere, arterielle Verschlußkrankheit sind immer auch die kleinen Gefäße betroffen. Die frühzeitige Alterung der kleinen Gefäße ist ursächlich für das diabetische Nierenversagen, den diabetischen Nervenschaden und den diabetischen Netzhautschaden im Auge.

Durch die moderne Diabetestherapie sind Stoffwechselentgleisungen als unmittelbare Todesursache bei Diabetikern heute nahezu irrelevant. Das Hauptproblem von Diabetes ist sicherlich die Gefäßerkrankung. Große Studien der vergagenen Jahre belegen klar die Wirksamkeit einer multifaktoriellen Therapie.

Eine optimale Diabetestherapie basiert immer auf drei wesentlichen Säulen. Neben dem Erreichen möglichst normnaher Blutzuckerwerte sind eine optimale Blutdrucktherapie und eine Therapie der Blutfettwerte mindestens genauso wichtig. Generell gilt, dass eine effektive Blutzuckersenkung bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung verfolgt werden soll. Die primäre Zielgröße stellt hier der Langzeitzuckerwert (HbA1c) dar, welcher unter 6,5 Prozent gehalten werden sollte. Mit Hilfe dieser Therapie kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um 16 Prozent reduziert werden. Das Auftreten von mikrovaskulären Komplikationen läßt sich durch eine gute Diabetestherapie ebenfalls effektiv senken.

Aufgrund der Tatsache, dass Patienten mit Diabetes mellitus ein hohes Risiko für Gefäßerkrankungen haben, gibt es bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen einige, wesentliche Punkte, welche unbedingt beachtet werden sollten. Generell sollte einmal jährlich ein Elektrokardiogramm angefertigt werden, da aufgrund des diabetischen Nervenschadens, eine Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße nicht immer schmerzhaft ist, und somit vom Patienten oft nicht bemerkt wird.

Weiters sollte einmal jährlich eine Analyse der Blutfettwerte und eine Messung der Eiweißausscheidung durchgeführt werden. Gerade die Messung der Eiweißausscheidung ist von großer Bedeutung, da diese einerseits als Screening für den diabetischen Nierenschaden und andererseits als Risikomarker für die Gefäßkrankheit verwendet werden kann.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Symptome der Gefäßkrankheiten gelegt werden. Kommt es bei körperlicher Belastung oder in Ruhe zum Auftreten von Schmerzen im Brustbereich, sollte umgehend ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Ein weiteres Symptom, welches häufig unterschätzt wird, ist die Schaufensterkrankheit. Im Rahmen der peripher arteriellen Verschlußkrankheit kann es zu einer Minderdurchblutung der Beine kommen, was insbesondere bei Bewegung starke Beinschmerzen verursachen kann, welche nach einer kurzen Pause wieder verschwinden. Auch dieses Symptom ist ein Warnzeichen für eine im Rahmen des Diabetes mellitus entstandene Gefäßkrankheit der Beingefäße.

Dennoch kann heute mit Hilfe einer optimalen Diabetestherapie das Risiko für vorzeitige Gefäßkrankheit effektiv reduziert werden. Kommt es dennoch zu Gefäßverschlüssen können Dank großer Fortschritte im Bereich der interventionellen Techniken heute Gefäßverschlüsse in den Herzkranzgefäßen aber auch in den Beingefäßen mit Hilfe von Ballondehnungen und oder der Implantation eines Stents (Metallgerüst) gut behandelt werden.

Wo können Lions helfen? In den kommenden Jahren sollte der Fokus unbedingt auf Diabetesscreening und frühzeitige Diagnosestellung gelegt werden, da in frühen Phasen der Erkrankung die Effektivität der blutzuckersenkenden Therapie zur Reduktion von Herzinfarkt und weiteren Gefäßerkrankungen besonders gut ist. Dabei können die Lions Clubs wertvolle Unterstützung leisten.

Die Lions helfen auch an Diabetes Erkrankten – etwa mit den Jugend-Diabetslagern.